Denkmalpanorama – 11 Gebäude unter Denkmalschutz
Nach einer Urkunde aus dem Jahr 1019 erhielt die 1002 gegründete Benediktinerabtei Deutz als Geschenk vom Erzbistum Köln mehrere Landgüter darunter eine „curtis“ in „uilla viesche“, bei der es sich um das heutige Kirchveischede handelt. Kirchveischede ist demnach neben Elspe und Oedingen der drittälteste Ort im Kreis Olpe. Weitergehende Informationen in den Büchern „Lenne-stadt-Kirchveischede“ (1976), „Unser Dorf Kirchveischede“ (1984) und „1000 Jahre Kirchveischede - Ein Dorf im Sauerland“(2019. Herausgeber: St. Hubertus Schützenverein teilweise mit fachkundiger Unterstützung des Kreisheimatpflegers Günther Becker.
Am 19. Juni 1784 hat ein Großbrand stattgefunden. Innerhalb kurzer Zeit brannten lt. Urkunde des Richters Freusberg und der Brandsozietät insgesamt 24 Häuser und Gebäude im Mitteldorf ab. Nach diesem Brand entstanden zahlreiche Neubauten. Heute stehen insgesamt 10 Gebäude so-wie die St. Servatius Pfarrkirche unter Denkmalschutz. (vgl. Nummern 1-11)
Ortsbildprägend sind die bis heute erhaltenen mächtigen Fachwerkhäuser, die alle dem nieder-deutschen Hallenhaustyp zugerechnet werden können. Das Verbreitungsgebiet dieser Häuser ist der nordwestdeutsche Raum, an dessen Grenze das südliche Sauerland liegt. Die Häuser wurden als „Wohnstallspeicherhaus“ genutzt:
- Behausung des Menschen
- Stallungen für das Vieh
- Speicherung der Ernte.
In Kirchveischede finden wir das niederdeutsche Hallenhaus in Gestalt des Vierständerhauses. Als Ständer bezeichnet man die auf einer festen Unterlage stehenden Stützen des Hauses. Das Vier-ständerhaus hat vier parallele Ständerreihen, die die Dreiteilung in der Längsrichtung bewirken. Durch das Einfahrtstor wird die Hausmitte stark herausgestellt. Jedoch liegt das große Deelentor nicht in der Mittelachse der Giebelseite. Die Seite für den Pferdestall ist jeweils breiter als die Seite für den Kuhstall.
Wer etwas Sinn für formschöne bäuerliche Baukultur hat, wird sich der Ausstrahlungskraft der Fachwerkhäuser nicht entziehen können. Man muss die Häuser beim Betrachten auf sich wirken lassen. Erst wenn man ihren Aufbau, das Gefüge des Balkenwerks, die Schriftbänder und Schmuckformen an ihren Giebelseiten in aller Muße betrachtet hat, wird einem die Harmonie und Ästhetik dieser Bauteile und vor allem ihrer Giebelfronten voll bewusst.
S.2.
Foto: Haus Hardenacke (Hans)
Haus Hardenacke (Hans) Röthe 1
Baujahr: 14.5.1785 Bauherr: „Eleite Peterus Drüeke und Maria Eliesabet Bruchhaus genannt Hanses“
Längsdeelenhaus: In Längsrichtung dreiteiliges Haus mit steilem Giebeldach. Den mittleren, durch eine große Toreinfahrt aufgeschlossenen Raum nennt man Deele, die auch zum Abstellen eines Erntewagens genutzt wurde. In den Seitenräumen befanden sich die Stallungen für das Vieh. Die vertikale Gliederung der Giebelseite in ein steinernes Untergeschoss, ein Obergeschoss aus Fach-werk und einen Fachwerkgiebel ist durch drei Ebenen im Hausinneren bestimmt: den Boden der Deele und der seitlichen Ställe, den Fußboden, der über den Ställen und dem Herdraum liegenden Wohnraum und den Dachboden.
Foto: Haus Drüeke (Schmies)
Haus Drüeke (Schmies) Röthe 4
Baujahr:27.6.1785 Bauherr: „Eleite Josephus Klages und Catarina Schmies“
Gerade die Hausinschriften finden beim Betrachter immer eine besondere Aufmerksamkeit. Haus-inschriften setzte man auf Schwell-, Dach-, und Kehlbalken sowie auf den Türholm. Sie nennen meist das Baujahr des Hauses, die Namen der Eheleute, die es errichten ließen, teilweise auch den Namen und die Herkunft des Zimmermeisters. Andere Inschriften empfehlen das Haus dem Schutz Gottes, der Hl. Familie oder der Hl. Agatha als Helferin in Feuergefahr.
S.3
Foto Haus Sondermann (Gerken)
Haus Sondermann (Gerken) Röthe 6
Baujahr: 20.8.1784 Bauherr: „Hermann Eppe gen. Gerke und Beatrix Lingenhof“
Querdeelenhaus: Der Haupteingang liegt an einer Traufseite. Die Deele erstreckt sich quer zur Längsachse des Hauses. Der Zuschnitt des Grundstücks oder die Lage zur Straße mag wohl den Ausschlag dafür gegeben haben, warum sich der Bauherr für diese Bauweise entschieden hat. Immerhin brauchte man vor der Deele Platz für das Wenden vierrädriger Wagen. In Kirchveische-de findet man zwei Querdeelenhäuser: Röthe 6 (Sondermann) und Röthe 5 (Deik/Drüke).
Foto Haus Hein (Irles)
Haus Hein (Irles) Westfälische Straße 50
Baujahr: August 1784 Bauherr: „Eleute Johanes Wilhelmus Somerhof und Anna Maria Henneken“
Herrschen im Balkengefüge des Fachwerks auch die senkrechten und die waagerechten Linien vor, so fehlen darin diagonale Elemente doch nicht ganz. Es handelt sich bei ihnen immer um Verstrebungen, die der Versteifung von Stützbalken dienen oder Dachsparrem abfangen. Als Strebefigur ist in Kirchveischede das auf den Kopf gestellt Ypsilon (Y) besonders häufig. Bei dieser Verstrebungsweise wird eine kräftige, zur Versteifung von Ständern – besonders der Eckständer- angebrachte dreiviertelhohe Fußstrebe von einer kürzeren, schwächeren Strebe abgefangen. Die Strebefigur betont stark die Eckfestigkeit des Hauses. Gelegentlich hat man nur Winkelversteifung ein Winkelholz oder eine Kopfstrebe verwandt.
S.4
Foto: Pfarrkirche St. Servatius
Pfarrkirche St. Servatius
Frühgotische Saalkirche aus dem 13. Jahrhundert. Erweiterung nach Norden von 1908-1910.
Die Barockorgel aus dem Jahr 1758 ist ein Werk von Ignatz Seuffert. Sie wurde 1959 und 1996 umfangreich renoviert.
Das gesamte Kirchengebäude wurde in den Jahren 1965 bis 1967 umfangreich renoviert.
Sehenswürdigkeiten im Innern der Kirche:
- Kanzel aus dem 17. Jahrhundert (1990 renoviert)
- Kirchenfenster des Hl. Servatius (Schutzpatron der Pfarrkirche)
- barockes Gemälde im neuen Teil der Kirche (Opferung Mariens)
- Schmiedeeiserne Tür des Wandtabernakels (2. Hälfte des 17. Jh.)
- 4 rätselhafte Masken im alten Chor
In der jüngeren Vergangenheit wurde das Kirchendach incl. Turm saniert (2010). Durch die komplette letzte Innenrenovierung von Anfang 2021 bis Ende 2022 bietet die Pfarrkirche heute variable Nutzungsmöglichkeiten als Antwort auf die geänderten Anforderungen er Pfarrgemeinde.
Foto: Pfarrhaus
Pfarrhaus St, Servatius am Kellenberg 6
Baujahr: 1783 Das Pfarrhaus wurde im Jahr 1995 komplett renoviert. Es wird heute z. T. für kirchl. Zwecke (z. Beisp.:Pfarrbüro, kirchl. Bücherei) genutzt.
S. 5
Foto: Haus Nolting (Duwenhögger)
Haus Nolting (Duwenhögger/Epe) Westfälische Straße 41
Baujahr: 1.September 1784 Bauherr: „Eheleüte Peter Eppe und Anna Elisabeth Heimes“
An vielen Häusern findet man Schnitzornamentik an den Halbsäulen der Eckständer. Schmuck-formen, Linienführungen und Profile des Barock und Rokoko wurden aufgegriffen. Barockhaft kräftig sind auch die Farben der Schnitzereien, die sich in bäuerlichem Empfinden meist auf die ausdrucksstärksten Gegen- und Ergänzungsfarben Rot und Grün beschränken. Durch trennendes Weiß werden die Farbgegensätze noch klarer auf dem Schwarzanstrich des Holzes.
Foto: Haus Schlüngermann Westfälische Straße 43
Haus Schlüngermann Westfälische Straße 43
Baujahr: um 1880
Bis ins erste Viertel des letzten Vierteljahrhunderts war es in Kirchveischede allgemein üblich, dass auch die nichtbäuerliche Bevölkerung ihre Häuser in Fachwerkbauweise errichtete. Lediglich das Kellergeschoss, wenn es überhaupt eins gab, und die Außenwände des Stalles, über den viele Häuser noch verfügten, wurden massiv gebaut. Zahlreiche Familien betrieben Landwirtschaft noch im Nebenerwerb (Einkuhhalter).
Foto: Haus Epe (Bus)
Haus Epe (Bus) zum Kellenberg 2
Baujahr: 20.9.1784 Bauherr: „Eleute Friedrich Assmann und Maria Elisabeth Bus“
An einigen Häusern hat man ein Bibelzitat, einen Mahnspruch oder eine Lebensweisheit in einen Balken geschnitzt.
S.6.
Foto: Haus Nolting (Schauerte)
Haus Nolting (Schauerte) Westfälische Straße 48
Baujahr: Juli 1785 Bauherr: „Ehleute Valentin Schauerten und Margreta Bruesgen“
Die Rastergliederung der Hauswände korrespondiert mit der kleinmaßstäbigen Gliederung der Sprossenfenster. Fachwerk und Sprossenfenster gehören untrennbar zusammen und bilden eine harmonische Einheit, die durch einscheibige Fenster zerstört würde. Gelegentlich befindet sich im Fachgiebel noch eine Ladeluke, durch die man mit Hilfe einer über der Luke angebrachten Rolle Heu und Stroh von draußen auf den Dachboden befördern kann.
Foto. Haus Drüeke (Geers)
Haus Drüeke (Geers) am Radenberg 1
Baujahr:7.5.1787 Bauherr: Elyte Antonius Jaegers und Margreta Kords genannt Jaegers“
In mehreren Hausinschriften des 18.- und 19. Jahrhunderts werden Gott oder die Hl. Agatha, die Patronin gegen Feuergefahr, um Bewahrung vor Brand angerufen. Die Brandgefahr war damals wegen der Bauweise (z. Beisp.: Strohdach) und der Einrichtung der Häuser allgemein sehr groß.
Manchmal befindet sich vor oder hinter oder auch inmitten einer Inschrift eine weiß ausgemalte Zierranke oder eine Sonnenhälfte mit Strahlen, die die lebensspendende Wärme, Licht und Fruchtbarkeit schenkende Sonne zeigt.
1 Haus Hardenacke (Hans)
2 Haus Epe (Bus)
3 Pfarrkirche (St, Servatius)
4 Pfarrhaus (St, Servatius)
5 Haus Drüeke (Schmies)
6 Haus Sondermann (Gerken)
7 Haus Drüeke (Geers)
8 Haus Nolting (Duwenhögger)
9 Haus Schlüngermann
10 Haus Nolting (Schauerte)
Kartenausschnitt der elf Denkmalgebäude (Nummern 1-11) 11 Haus Hein (Irles)
vgl. Flyer
DHV-Kirchveischede 2026

